Teil 3:
Zwei grosse Präsidenten (1887–1922)

1887 Die Schachgesellschaft ist auf 15 Mitglieder geschrumpft und das Vereinsleben liegt darnieder. Mit Max Pestalozzi nimmt sich ein begabter und umtriebiger junger Schachfreund der Gesellschaft an. Seine Wahl zum Präsidenten erweist sich als einer der grössten Glücksfälle in der Vereinsgeschichte. Innerhalb eines Quartals wächst die Mitgliederzahl auf 35 und schon bald zählt man mehr Mitglieder als je zuvor.

Auf dem Künstlergütli organisiert die Gesellschaft im Sommer ein kleines zweirundiges Turnier mit 26 Teilnehmern vorwiegend aus Zürich. Es siegen Max Pestalozzi und Hermann Enz vom Akademischen Schachklub.

Im Herbst beginnt das erste Winterturnier der Schachgesellschaft.

1888 Der deutsche Meister Emil Schallopp gibt eine Simultanvorstellung an 13 Brettern.

1889 In Anlehnung an die früheren Ostschweizer Turniere organisiert die Schachgesellschaft im «Pfauen» ein zweitägiges Schachturnier, das als Erstes Schweizerisches Schachturnier in die Annalen eingeht. Spontan wird die Gründung des Schweizerischen Schachvereins (SSV) beschlossen.

1893 Die Schachgesellschaft ruft in der «Neuen Zürcher Zeitung» eine Schachspalte ins Leben.

Programm des SST 1895
Programm des Schweizerischen Schachturniers 1895

1895 Auf der «Saffran» findet das 5. Schweizerische Schachturnier statt, das vom SGZ-Mitglied Ulrich Bachmann gewonnen wird. Max Pestalozzi wird zum Präsidenten des SSV gewählt.

1898 Der Schachweltmeister Emanuel Lasker gibt in Zürich eine Simultanvorstellung. Vor hundert Zuschauern gewinnt er 21 Partien und muss nur gegen Dr. Eugen Meyer die Segel streichen.

1901 Max Pestalozzi verlässt Zürich, da er ins Eisenbahndepartement nach Bern berufen wird. Die Schachgesellschaft ernennt ihren hochverdienten Anführer zum Ehrenmitglied. Sein Nachfolger wird Pfarrer Eduard Thomann, der das Vereinsschiff die nächsten 21 Jahre mit grossem Geschick und viel persönlicher Wärme sicher durch manch schwieriges Jahr steuert.

Zum ersten Mal zieren zwei Damen die Mitgliederliste.

1903 Die Schachgesellschaft übernimmt das 13. Schweizerische Schachturnier. Rund hundert Teilnehmer finden sich zum Schachfest in der Tonhalle ein; es siegt der ETH-Student Ernst Müller.

1904 Der im Schatten der gesamtschweizerischen Turniere etwas vernachlässigte Gebrauch der Klubwettkämpfe wird wieder aufgenommen. In Brugg treffen die Schachgesellschaften von Zürich und Basel aufeinander, wobei die Basler das bessere Ende für sich behalten.

1905 Der achtzehnjährige Aaron Nimzowitsch kommt als Student nach Zürich und mischt die Schachszene auf – und zwar nicht minder mit seinem starken Spiel als mit seiner grossen Klappe.

1909 Das hundertjährige Jubiläum begeht die Schachgesellschaft mit der Durchführung des 19. Schweizerischen Schachturniers im Zunfthaus zur Meise und mit einem grosszügigen Festakt auf dem Üetliberg. Eine Erinnerungsmedaille und Dr. Eugen Meyers Festschrift würdigen den besonderen Anlass.

Mit 103 Mitgliedern ist die Schachgesellschaft mit Abstand die grösste Sektion im SSV. Es folgen Bern (67), Davos (61), Genf (61) und Basel (60).

Hans Johner
Hans Johner

1912 Der erste im Detail protokollierte Klubwettkampf zwischen Basel und Zürich endet 16:16 unentschieden. An den beiden Spitzenbrettern spielen Dr. Oskar Naegeli und Hans Johner je zweimal remis gegen die Brüder Moriz und Walter Henneberger.

1916 Zürich empfängt den Besuch von Dr. Emanuel Lasker. Der Weltmeister gewinnt 18 von 25 Simultanpartien, muss sich aber gegen Walter Henneberger, Walter Preiswerk und Hermann Bühler auch dreimal geschlagen geben.

1918 Zürich verbindet das Treffen der SSV-Delegierten mit einem Regionalturnier, da die Schweizerischen Schachturniere kriegsbedingt zwischen 1914 und 1920 nicht stattfinden.

1919 Einmal mehr gibt Lasker eine Simultanvorstellung. Er gewinnt 22 von 25 Partien.

1921 Die Grossmeister Aljechin, Réti, Spielmann und Teichmann geben in der Schachgesellschaft Vorstellungen. Letzterer hatte während 5 Jahren in Zürich gelebt und kehrt nun in die Heimat zurück.

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